Der große Persönlichkeitstest: Welcher Arbeits-Lebens-Typ sind Sie?:

Die Einstellung zur Erwerbsarbeit und warum wir neu über sie nachdenken sollten

Dieser Fragebogen soll eine Anregung sein, sich mit den Nachteilen der Arbeit auseinander zu setzen. Mit „Arbeit“ meinen wir im folgenden Text, wie auch schon im Fragebogen, immer Erwerbsarbeit bzw. „Arbeit gegen Geld“. Es gibt auch andere Arbeit wie etwa Hausarbeit, die ebenso wichtig ist und zwangsweise ausgeführt wird, die aber hier nicht in die Betrachtung einbezogen wurde.
Allgemein verbreitet ist, mehr Erwerbsarbeit zu fordern. Erwerbsarbeit wird als einziger legitimer Grund betrachtet, am gesellschaftlichen Reichtum teilzuhaben. Die Gruppe Schöner Leben stellt den Zwang, sich durch Arbeit eine Existenz zu sichern, grundsätzlich in Frage. Zugespitzt lautet die Forderung: „Weg mit dem Arbeitszwang“ oder „Alles für alle und zwar umsonst“. Es folgt ein Beitrag zur politischen Debatte in deren Rahmen diese Forderungen diskutiert werden und einige Thesen zur Abschaffung der Arbeit.

Der allgemeine Umgang mit Erwerbsarbeit zeigt sich politisch als Sozialkahlschlag und ideologisch als Verherrlichung der Arbeit. Wer sich weigert, um jeden Preis zu arbeiten aber dennoch ein ordentliches Auskommen wünscht, gilt als „Sozialschmarotzer“. Diese Sicht ist weit verbreitet. Deshalb müssen heute Arbeitslose jeden Job annehmen, SozialhilfeempfängerInnen Zwangsarbeit für Almosen verrichten und nicht für die Arbeit benötigte MigrantInnen, verlieren ihr Aufenthaltsrecht und werden deportiert. Der Preis der Ware Arbeitskraft (Lohn) soll durch die verschärfte Konkurrenz um Arbeitsplätze sinken; Investitionen dadurch lohnenswerter werden.
Darunter leiden vor allem Lohnabhängige und Arbeitslose, deren Lohneinkommen oder Sozialunterstützung beständig sinkt. Viele lassen das geschehen. Tritt aber der Ernstfall von Krankheit oder Arbeitsplatzverlust ein, wird der Abstieg schnell spürbar. Ergebnis ist, dass alle immer hektischer versuchen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen: Der Freundeskreis wird Kontakthof für die Ich-AG; der Gang zum Arzt eine Investition in die Leistungskraft; Bildung zur Steigerung des eigenen Marktwertes. Und dann ärgern wir uns über die Folgen des Arbeitszwangs: Die Ärztin kümmert sich nicht um unsere Anliegen - sie bringen keine Umsätze; der Lehrer hat keine Zeit für die individuellen Interessen der Schülerin - er muss sie auf den Beruf vorbereiten, usw.
Wir müssen die Arbeit stets so machen, dass sie profitabel ist, wir also weder unseren Arbeitsplatz noch die Firma gefährden. Der Widerspruch zwischen Gewinnorientierung und Bedürfnisbefriedigung ist allgegenwärtig. Wir haben ihn meist so verinnerlicht, dass wir nichts mehr verlangen, was gegen wirtschaftliche Zwänge verstößt. Der Arbeitszwang hilft jedoch nicht, unsere Bedürfnisse zu verwirklichen. Er steht dem entgegen. Ohne den Zwang, mit Arbeit Geld zu verdienen, würden wir nicht nur von der ständigen Suche nach Jobs, Aufträgen, Preisvorteilen befreit, wir könnten das, was wir tun auch ganz anders angehen. Es ginge nicht mehr darum, Geld zu machen, sondern der Gebrauchswert unserer Produkte und Dienstleistungen wäre wichtig. Solange jedoch der Zugriff auf Güter und Ressourcen von unserem Erfolg auf dem Arbeitsmarkt abhängt, stehen wir alle in Konkurrenz um Aufträge und Jobs und können uns dieser nicht entziehen. Wir sind ständig unter Druck und haben permanent Angst vor Versagen und Abstieg. Das macht uns gefügig und erzeugt Wut gegenüber jenen, die keiner Erwerbsarbeit nachgehen und trotzdem leben.
Schluss damit! Wir wollen zum Nachdenken über real-utopische Alternativen anregen und in der Praxis neue soziale Beziehungen und Kooperationen begründen, die schon heute statt der Erwerbsarbeit, die individuellen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen. Dazu fünf Thesen:
1. Lohnarbeit ist kein Zuckerschlecken. Es mag viele schöne Momente während der Arbeit selbst oder im Rahmen der Arbeit geben. Die schlechten Seiten sind jedoch allgegenwärtig. Alle diese Zwänge sind im Kapitalismus nicht grundsätzlich änderbar. Wäre Arbeit schön, also nicht Arbeit, sondern ‘kreatives Tätigsein’, bräuchte es den Zwang zur Arbeit nicht.
2. Es ist genug da. Vielleicht reichen die Tauschwerte bzw. Profite nicht mehr, aber an Gebrauchswerten, also Gütern und Dienstleistungen, mangelt es nicht. Die Regale sind immer voll, obwohl immer weniger Leute arbeiten. Grund ist die steigende Produktivität. Mit immer weniger Arbeit wird immer mehr produziert. Wenn Lohnarbeit kein Zuckerschlecken ist, dann sollten wir ihr Verschwinden fördern. Bislang schöpfen wir die Möglichkeiten zur Verminderung des Arbeitszwangs nicht aus. Würden wir etwa immer mehr Dinge gemeinsam nutzen statt auf Privatbesitz zu pochen, gäbe es viele Möglichkeiten, Arbeit zu sparen. Und auch die technische Entwicklung könnte noch arbeitssparender verlaufen: ohne billige KloputzerInnen wäre das selbstreinigende Klo vermutlich schon längst normal. Jahrtausendelang träumten die Menschen von einem arbeitsfreien Leben. Wir sollten das Verschwinden der Arbeit also nicht beweinen oder anfangen immer neue bescheuerte Tütenpacker-Jobs einzurichten.
3. Der Arbeitszwang produziert Ungerechtigkeiten und Abhängigkeiten. Eine wesentliche Abhängigkeit ist die Lohnarbeit selbst. Das abhängige Arbeiten für die Profite anderer Leute bedeutet bereits Ausbeutung und Unterdrückung. Hinzu kommt das Drumherum. Kinder brauchen das Einkommen ihrer Eltern, müssen aber auf die Eltern selbst verzichten, die müssen arbeiten. Und mit der Erwerbsarbeit werden neue soziale Unterschiede geschaffen. So erhalten Frauen in aller Regel immer noch weniger Lohn als Männer, auch wenn sie die gleiche Arbeit tun, und ihre Chancen in die meist besser bezahlten „männlichen Berufe“ einzudringen oder in Führungs- und Managementpositionen aufzusteigen sind deutlich gering als die der Männer. Für MigrantInnen und behinderte Menschen gilt ähnliches – sie sind meist die letzten, die eingestellt und die ersten, die gekündigt werden.
4. Es geht besser. Um etwas zu produzieren braucht man weder Kapitalismus, noch Markt. Das sind nur die jetzigen Rahmenbedingungen, und die erzeugen fragwürdige Effekte. Betriebe arbeiten gegeneinander statt miteinander; Wissen und Ideen werden zu Eigentum, das nicht alle nutzen dürfen; Märkte müssen erobert werden (bisweilen kriegerisch); Werbung sorgt dafür, dass unsere Bedürfnisse auch zu dem passen, was produziert wird usw. Eine gigantische Vergeudung von Kreativität und Lebenszeit. Viel schlauer wäre, gemeinsam zu überlegen was produziert werden soll.
5. Eine schönere Welt ist möglich. Es ist alles da: Material, Arbeitskraft, Maschinen, Erfahrungen usw. Aber wir müssen sie noch erschaffen, diese neue Welt. Und dabei gibt es zwei grundsätzliche Probleme. Erstens: Jene, die von der heutigen Ordnung profitieren, werden diese nicht kampflos aufgeben. Je erfolgreicher wir sind mit dem Aufbau einer anderen Gesellschaft, desto übler werden die Versuche, sie zu unterdrücken. Zweitens: Das größere Problem ist im Kopf. Wir müssen die uns vertrauten Wege verlassen und uns von der untergehenden Welt verabschieden. Wir brauchen soziale Experimente und Lösungen, wie wir ohne ChefIn und Staat zusammenarbeiten können: Kooperation ohne Abhängigkeit; Entscheidungen ohne die Freiheit der anderen einzuschränken. Es gibt keinen Grund, mit dem Ausprobieren zu warten. Es gibt Beispiele etwa in Argentinien, wo Menschen bereits in ganzen Stadtviertel Kinderbetreuung, Schule, Hausbau gemeinsam selbst organisieren. Auch in Deutschland gibt es selbstverwaltete Zentren und Kommunen, wo sich Menschen immer mehr gegenseitig zur Verfügung stellen und immer weniger gekauft werden muss. Und es gibt die ganz normalen Freundschaften, Beziehungen, Gruppen, wo gegenseitige Dienste, Ausleihen, Hilfen etc. ja auch nicht zwangsweise erbracht oder nach Marktpreisen abgerechnet werden.
Wir können keine Insel der Glückseligkeit im Kapitalismus erbauen, aber wir können uns dem schöneren Leben nähern, zumindest ‘fragend voranschreitend’. Es gilt unsere Arbeitskraft wenigstens so teuer wie möglich zu verkaufen bzw. alle Möglichkeiten des Sozialstaates zu genießen und dabei gleichzeitig die Aufhebung der Arbeit im Sinne der obigen Beispiele praktisch anzugehen. Beide Vorgehensweisen werden sich gegenseitig unterstützen und können nur gegen Staat und Kapital voran gebracht werden. Wir gewinnen damit soziale Sicherheit, die in den jetzigen herrschaftsförmigen Verhältnisse immer wieder beschnitten wird.