Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine?
Bevölkerungs-/Familienpolitik zwischen Auslese und Ausschluss


Veranstaltung mit Dr. Susanne Schultz


Kinder zu bekommen, scheint in Deutschland zunehmend wieder eine Frage gesellschaftlicher Verpflichtung zu sein. Insbesondere AkademikerInnen sollen für „hochwertigen“ und gesunden Nachwuchs sorgen. Demografische Problemkonstruktionen (Stichwort "Überalterung der Gesellschaft") erleben in den letzten Jahren eine Wiederbelebung. Zuvor spielte die deutsche Bevölkerungswissenschaft jahrzehntelang in der Politikberatung nur am Rande eine Rolle. Sie sah sich mit der Kritik konfrontiert, eine Wissenschaft in der Kontinuität nationalsozialistischer Menschenökonomie zu sein. So sprach der damalige deutsche Innenminister Kanther noch auf der Bevölkerungskonferenz von Kairo 1994, dass in Deutschland "nur Familien- keine Bevölkerungspolitik" betrieben würde. Offen bevölkerungspolitisch agierte demgegenüber ein entwicklungspolitisches Netzwerk ("population establishment") aus staatlichen und privaten Organisationen: in anderen Teilen der Erde will es durch staatliche Einflussnahme eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums bewirken.

Tatsächlich kamen und kommen sowohl verhütungstechnologische wie sozialtechnokratische Strategien zum Einsatz, um die ärmsten Bevölkerungsteile vom Kinderkriegen abzuhalten. Im Fokus der angewandten Methoden stehen vorrangig Frauen. So werden z.B. für ihre Sterilisationen Prämien an das Gesundheitspersonal bezahlt oder ihnen die Anwendung langfristig wirksamer Hormonimplantate nahe gelegt. Heute werden demografische Ziele meist im scheinbaren Einklang mit der individuellen Selbstbestimmung von Frauen verhandelt. Dazu geführt haben sowohl feministisch-antirassistische Kämpfe gegen „Bevölkerungskontrolle“ und den „Mythos der Überbevölkerung“ als auch eine im Neoliberalismus verankerte Verschiebung von staatlicher zu individualisierter Verantwortlichkeit (Stichwort Familienplanung). Das „gender-sensible“ bevölkerungspolitische Establishment stellte sich damit als Gegenpol dar zu den familienpolitischen Ansprüchen des Vatikan und anderer konservativer Kräfte.

Doch ist diese Mainstream-Genderpolitik der 90er Jahre mit ihren Konzepten reproduktiver Rechte und reproduktiver Gesundheit trotz ihrer demographischen Einbindung und ihrer institutionellen Verwässerung heute noch zu verteidigen? Hierzu lohnt sich ein Rückblick auf die Geschichte feministischer Bewegungen, die sich gleichermaßen als antirassistisch bzw. antieugenisch verstanden – und oftmals klare Positionen entwickelten: für das Recht, Kinder zu haben, aber gegen konservative Mutterschaftspolitik. Oder für das Recht auf Abtreibung, aber gegen eugenische Selektionsmechanismen. Darauf bezugnehmend stellt sich die zentrale Frage: Wie kann eine emanzipatorische Position zur Kinderfrage heute aussehen - jenseits einer biopoltischen staatlichen Indienstnahme?

Die Referentin forscht und publiziert seit Jahren über die reproduktiven Rechte von Frauen und internationale Bevölkerungspolitik.

Donnerstag, 14. Februar 2008, 20:00 Uhr, APEX (Burgstr. 46)




Mit neuen „Antiterror“-Gesetzen in den autoritären Sicherheitsstaat?
„Innere Sicherheit“ im permanenten Ausnahmezustand

Veranstaltung mit RA Dr. Rolf Gössner (Bremen) u.a. Präsident der "Internationalen Liga für Menschenrechte" (Berlin) und Mitglied der Jury des "BigBrotherAward"

Rolf Gössner wird nach über sechs Jahren „Antiterrorkampf“ Bilanz darüber ziehen, was sich seit 9/11 im Namen der Sicherheit verändert hat und wohin die Reise künftig gehen wird. Welche Risiken und Nebenwirkungen sind mit den neuen „Sicherheitsgesetzen“ (z.B. zur Vorratsdatenspeicherung) verbunden – für alle, für Beschäftigte in Betrieben, für MigrantInnen und für politisch-soziale Bewegungen? Rückt mit den neuen Kontrollmaßnahmen und Strukturveränderungen der präventiv-autoritäre Sicherheitsstaat in greifbare Nähe, in dem letztlich der permanente Ausnahmezustand herrscht - so, wie zuletzt rund um den G-8-Gipfel in Heiligendamm? Wie ist dieser Prozess noch aufzuhalten, welche Möglichkeiten der Gegenwehr gibt es?

Rolf Gössner ist Autor zahlreicher Bücher zur "Inneren Sicherheit" (zuletzt "Menschenrecht in Zeiten des Terrors"). Er referiert auf Einladung von Schöner Leben Göttingen im Rahmen der "Göttinger Antirepressions-Tage" des Antirepressionsbündnisses.

Freitag, 22. Februar 2008, 19:00 Uhr, Kino Lumière (Geismar Landstr. 19)
Mit freundlicher Unterstützung des Rosa-Luxemburg-Bildungswerks Niedersachsen e.V.




Entschuldigung, Herr Wachtmeister...

Workshop zu kreativer Antirepression bei Polizeikontakten


Ungebetener Kontakt mit der Polizei lässt sich bei politischen Aktionen und im Alltag kaum vermeiden. Doch so überflüssig und bedrohlich das repressive Vorgehen der Staatsmacht oft ist, so viel Potenzial als Betätigungsfeld haben diese Begegnungen auch. Sie können eine gute Gelegenheit für emanzipatorische Praxis sein.

Kreative Antirepression erkennt das Gewaltgefälle zwischen Staatsmacht und Betroffenen, sucht aber nach Wegen aus der Passivität. Ziel und Mittel kreativer Antirepression ist, die Agierenden im Kontakt mit Polizei und Justiz zu stärken sowie Herrschaft und ihre Methoden öffentlich sichtbar zu machen. Es kann sogar oder gerade hier gelingen, Visionen jenseits von Herrschaft zu verdeutlichen, weil Herrschaft ohne Repression nicht bestehen kann. Um handlungsfähig zu bleiben, brauchen die Einzelnen vor allem Wissen und Erfahrung. Welche Taktiken hat die Polizei, wie ist die juristische Lage? Was kann anderen und mir schaden, was kann ich mir zutrauen? Was kann ich kreativ dagegen setzen?

Schwerpunkt des Workshops sind Kontakte mit der Polizei wie Passkontrolle, Absperrung, Observation, Demospalier, Kessel, Durchsuchung, Festnahme, Verhör. An dem Nachmittag wird erarbeitet, wie mensch in solchen Situationen in einer aktiven Rolle bleiben kann. Wie können Begegnungen mit der Polizei in der Öffentlichkeit vielleicht sogar emanzipatorisch gewendet werden? Nach einem Input zu verschiedenen Aktionsformen ist Zeit für Fragen und Diskussion. In Rollenspielen können die Teilnehmenden bei Interesse typische Situationen nachstellen und sich in kreativen Aktionen ausprobieren, eigene Erfahrungen sind willkommen.

Referent: Jörg Bergstedt (Projektwerkstatt Saasen)

Sonntag, 16. März 2008, 15.00 – 18.00 Uhr im JuzI-Café (Bürgerstraße 41, 1. OG)





Elternsprechtag im JuzI
Eltern-sein in der linken Szene

Erzählcafé mit Diskussion

Vier Eltern von Kindern in verschiedenen Altersstufen erzählen wie es war und wie es ist, mit den Kindern: Herrschende Ordnung, emanzipatorische Ansprüche, politische Aktivitäten – wie geht das zusammen mit Elternschaft und Kind(ern)? Was wird/wurde als unterstützend erlebt, welche Schwierigkeiten sind aufgetaucht? Welche Erwartungen an die linke Szene gibt es?

Der Nachmittag soll ein Forum sein für (soziale) Mütter, Väter und Nicht-Eltern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Elternschaft in der Göttinger Linken gelebt werden kann, ohne andere Ansprüche dauerhaft zurück zu stellen. Themen wie Kinderbetreuung, Wohnformen, finanzielle Sicherung, Geschlechterverhältnisse, politische Praxis und die Bedeutung sozialer Netze sollen mit Blick auf die Doppelrolle Elternteil/LinkeR betrachtet werden.

In den einleitenden Beiträgen werden persönliche Erfahrungen und Ansprüche sowie Strategien und Arrangements für den Umgang mit alltäglichen Problemen geschildert. Davon ausgehend können in der anschließenden Diskussion Verallgemeinerungen und theoretische Einbettungen, z.B. zur Kleinfamilie in der bürgerlichen Gesellschaft oder zum Verhältnis Erwachsene-Kinder, vorgenommen werden. Das steht aber nicht notwendig im Zentrum dieser Veranstaltung. Auf eine Trennung von ReferentIn, Gegenstand und kritischem Analysestandpunkt wird bewusst verzichtet.

Sonntag, 6. April 2008, 15:00 Uhr, im JuzI-Café (Bürgerstraße 41, 1.OG)
Natürlich mit den drei K’s: Kaffee, Kuchen, Kinderbetreuung




Brennpunkt: Göttinger Linksextremisten schlagen zurück! Macht die radikale Linke was sie will?

Multimediashow

Vermummte Jogger ++ Invasion der Marsianer ++ Nikoläuse im Gerichtssaal ++ Verunglimpfung der Polizei ++ Freisprüche für
gewaltbereite Linksextreme ++ Hetzjagd auf Beamte in Zivil ++ Beschmierte Plakatwände ++ Das Bündnis für mehr Sicherheit
(BfmS) fordert: „Das geht doch nicht!“

Der Terror hat Göttingen erreicht!!! Wir decken auf und blicken zurück: Hintergrundberichte ++ Expertengespräche mit
Staranwälten und Sachverständigen ++ Live-Schaltungen ++ Prozessberichte und vieles mehr.

Veranstalter: Antirepressions-Bündnis

Freitag, 28. März 2008, 20:00 Uhr, im Theaterkeller (Geismar Landstraße 19)